Ein Weg zum Frieden

Ein Weg zum Frieden - Predigt zu Mt 2,1-11 im Januar 2015 Von Pfarrerin Ulrike Stürmlinger

1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,
4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1):
6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«
7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,
8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.
9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.
10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut
11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe

Liebe Gemeinde, die drei Weisen aus dem Morgenland ...
eigentlich haben die mit dem neu geborenen König der Juden gar nichts zu tun.

Sie gehören in den Orient. Haben ihre eigene Religion.
Aber sie sehen einen Stern und machen sich auf den Weg, und finden den Messias.

Ganz anders Herodes und die Menschen in Jerusalem. Sie erschrecken bei der Nachricht eines neuen Königs.

So unterschiedlich ist die Wirkung.
Da sind Menschen, die nichts mit der Verheißung des Friedenskönigs zu tun haben, die sind angezogen von ihm. Von seiner unmittelbaren Friedenskraft und Vollmacht, so dass sie andächtig werden und anbeten.

Und die, die unmittelbar in der Nähe sind und die Verheißungen kennen, verschließen sich, nehmen ihn nicht an als den von Gott Gesandten.

Wir müssen wissen.
Diese Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland ist eine Legende.
Sie schildert nicht in erster Linie historische Ereignisse, sie schildert Erfahrungen. Erfahrungen aus einer späteren Zeit,
als sich die ersten Gemeinden gebildet hatten und sie Ablehnung bei dem größeren Teil der jüdischen Brüder erfuhren.

Die drei Weisen aus dem Morgenland stehen für die Erkenntnis, für die Einsicht: Ob wir Gott sehen oder nicht, - ob wir ihm mit unseren Gaben dienen
oder ihm im Weg stehen und seinen Frieden stören,
das liegt nicht an unserer Herkunft und an unserer Religion.

Das entscheidet sich immer am Weg des Einzelnen.

Für uns heißt das - aktuell:
Nicht dass wir Christen sind ist wichtig
oder macht uns von vorne herein zu den Besseren.
Nicht das Jude sein oder Muslim sein an sich hat die Wahrheit für sich. Sondern:
ob wir mit unserer Religion den Weg zum Frieden finden,
ist entscheidend. Und das muss jeder in jeder Situation immer neu erweisen.

Für uns Christen heißt das, wir müssen uns immer wieder aufmachen
zu dem Gott, der Mensch geworden ist und versuchen ihn zu finden.
Damit wir wissen, welche Schätze wir ihm auftun können
und nicht ins Kämpfen oder in Feindschaft geraten und uns damit gegen ihn stellen.

Unsere Legende beginnt mit den Weisen, die einen Stern sehen
und sich auf den Weg machen, ihm folgen.
Sie verbinden den Stern mit der Verheißung eines Friedenskönigs, der aus dem jüdischen Volk kommt – und auch für sie Bedeutung hat.

In den letzten Tagen gab es diese schrecklichen Anschläge auf Charlie Hebdo in Paris. Sie erschrecken und schockieren.
Was da geschehen ist, das ist sternlose Nacht. Düstere Dunkelheit.

Wir brauchen dringend Menschen – überall auf der Welt - die den Stern suchen, der uns zum Frieden führt.

Auch im persönlichen Erleben gibt es Ereignisse,
die unterbrechen, erschrecken, die schlagartig zeigen: Hier läuft etwas falsch. So wollen wir nicht leben.

Das können große Sachen sein, persönliche Katastrophen. Das können Kleinigkeiten sein, die uns klarmachen:
Diese Situation, so wie wir leben –
das ist völlig verfahren, verdreht, verkehrt,

das ist für keinen gut und ohne Frieden..
Wir sitzen miteinander - ich sitze für mich - im Dunkeln.

Ein Segen ist es, wenn wir dann anfangen nach einem Ausweg zu suchen. Uns nicht abfinden, auch nicht aufgeben oder erstarren, oder die Augen verschließen,
sondern Ausschau halten und nach etwas suchen, der Licht ins Dunkel bringt, der einen Weg zum Frieden zeigt.

Schon alleine der Blick zum Himmel ist gut,
weil er uns über den Moment hinaus sehen lässt.
Das wir den Blick abwenden von dem Streit, von dem Schrecken ...
und einen anderen Horizont vor Augen bekommen,
etwas, was uns in die Weite führt, was das Leben erhebt, was uns ahnen lässt: Unsere Welt ist nicht für Krieg und Kampf geschaffen.
Unser Universum trägt einen tiefen Frieden in sich trägt und eine große Weite und wunderbare Ordnung.

Der Stern, den die Weisen sehen, macht ihnen Mut, ihrer Sehnsucht nach Frieden zu folgen.

Das ist der erste Schritt, damit wir nicht im Kämpfen und sich Bekämpfen stecken bleiben. Dass wir daran glauben, es gibt einen anderen Weg.

Auch wenn wir noch nicht wissen, wie der Weg aussieht. Wir noch keine Lösung und keine Idee haben.

Wichtig ist, dass wir überhaupt Ausschau nach diesem Stern halten und mit ihm aufbrechen! Eine Reise ins Unbekannte antreten.

Das ist eine völlig andere Bewegung,
als den Anderen zu sagen, dass sie falsch sind oder verschwinden sollen.

Andere können wir nicht ändern.
Wir können uns immer nur selbst auf den Weg machen, den Frieden zu suchen. Das gilt im Kleinen wie im Großen.

Die Weisen tun es und landen geradewegs
in Jerusalem und bei Herodes und den Schriftgelehrten.

Auch das ist eine Station, die dazu gehört.
Dass wir uns klarmachen:
Welche Möglichkeiten haben wir mitten unter uns?
Was steht uns zur Verfügung. Was steht in unserer Macht.
- Dafür steht Jerusalem.-
Welche Instrumente haben wir zu handeln?
Aus welchen Erfahrungen leben wir,
wie hilft uns die Schrift, der Glaube,
das Erbe unserer Geschichte ...
Aber es wird dabei nicht bleiben, das kann noch nicht alles sein. Denn natürlich wissen wir: Keine äußere Gewalt und Macht,
kein politisches System hat den Schlüssel zum Frieden
könnte Gott fassen oder dürfte ihn für sich in Anspruch nehmen.

Es lässt sich auf Erden kein Gottesreich errichten ...
Wer meint, das tun zu müsse / zu wollen,
hat sich meilenweit von Gott und seinen Verheißungen entfernt.

Frieden lässt sich nicht befehlen und nicht erzwingen.
Frieden muss wachsen - von innen.
Und Frieden wächst in der Begegnung mit dem Gott, der Mensch wird und sich als neugeborenes Kind der Welt zeigt.

Als die Weisen aus dem Morgenland in Jerusalem waren,
war der Stern verschwunden, der sie führte.
Sie fanden ihn erst wieder, nachdem Herodes ihnen den Hinweis aus der Schrift mitteilte: Geht nach Bethlehem.

Immer wieder wird das geschehen,
dass wir auf unsere eigenen Vorstellungen zurückgeworfen werden. Den Faden verlieren. Nicht mehr weiter wissen.
Die Legende erzählt, dass alles eine Hilfe sein kann,
zurückzufinden zu dem Stern, der uns den Weg zum Frieden weist.

Als sie den Stern sahen, waren sie hoch erfreut.

Diese beiden Wörter müssen wir uns merken.
Sie zeigen uns, dass wir auf der richtigen Spur sind.
„Hoch erfreut.“
Wann sind wir hoch erfreut? ... Können wir uns freuen? ...

Das, was uns freut, führt uns zu Gott.
Das, was uns freut, macht uns zum Frieden bereit.

Das Kämpfen, das sich Verbohren
der Versuch zu bezwingen, zu verbieten
das führt uns nicht in die Nähe Gottes, damit finden wir ihn nicht. Im Gegenteil - damit entfernen wir uns meilenweit von ihm
und dem Frieden, den er möglich macht.

Was uns zum Frieden führt finden wir, wenn wir uns freuen können. ...

Als sie den Stern sahen, waren sie hoch erfreut
und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter.

In der Freude sehen wir:Wie kostbar ist das Leben. Gott ist darin!!
Alles Leben - schon das ganz kleine und neu geborene - strotzt nur so von seiner Kraft.

Gott ist überall, wo das Leben wächst
wo Leben weitergegeben wird, wo es aufblüht.

Gott ist in diesem Kind und in allen Geschöpfen dieser Welt
und seine wunderbare Kraft zeigt sich im Spiel der Schöpfung: Vielfältig und unbegrenzt, erfindet, formt, gestaltet,
lebt sich Gott in allem aus.
Und immer ist es aus erster Hand. Immer neu, immer anders.
Kein Mensch, der dem Anderen gleicht.
Noch nicht einmal zwei Schneeflocken, die einander ähnlich wären.

In der Freude können wir diesen Atem des Lebens spüren.
Seine schöpferische Kraft ,
Vollmacht und Schönheit, die alles andere in den Schatten stellt.

Und die Weisen fielen vor ihm nieder und beteten es an.

Gott wird Mensch und wird als Kind geboren...
Wo wir das erkennen, geht uns das Heilige des Lebens auf. Da sehen wir sein Wunder und seine Größe.
Die Liebe des Schöpfers in jedem Menschen.
Der tiefe Frieden, der allem innewohnt.

Dort geht uns das Herz auf.
Dort können wir aufhören zu kämpfen.
Dort wird uns Gott ganz gegenwärtig und verliebt uns in seine Gegenwart in den Moment, den wir jetzt gerade mit ihm teilen.

Dort fällt alles ab, was uns voneinander trennt und wegbringt. Da ist Frieden, gespeist aus einem Moment der Ewigkeit.

Gott kommt in einem Kind zur Welt. Grund aller Freude und zugleich ungeheure Zumutung.

Radikaler kann Gott nicht zeigen, wie sehr er sich in unsere Hände begibt.

Der Lebendige, Heilige, Ewige verzichtet auf jeden Kampf um die Weltherrschaft.

Gott ist mit all seiner Kraft allein bei uns, in dem Leben, das er schenkt.

Darüber hinaus gibt er keine Macht und Gewalt, die das Leben schützt. Alleine dass das Leben da ist
und auch immer neu entstehen kann.
Sogar aus dem abgestorbenen Ast.

Aus dem Tod.
Aus der verfahrensten Situation. Alleine das genügt.

Gott ist Leben,
etwas Größeres, Stärkeres gibt es nicht. Gott ist Leben.
Und in diesem Leben
liefert sich Gott aus
und gibt sich in uns und unsere Welt hinein.

Deshalb kann es für uns keinen anderen Kampf geben, als unser Ringen darum, dass wir dem Leben dienen, und in der Freude an allem Leben bleiben.

Nur daraus entsteht Frieden.
Der Feind, der Gegner, der, der uns ärgert und das Leben schwer macht
sie bleiben nicht Gegner und Feind.
Der Zauber Gottes und das Wunder des Lebens
erscheint auch in dem, der Gott verstellt in sich trägt, verborgen oder verdreht.

Unter der Gewalt,
unter der Aggression,
unter Hetze und Lüge,
unter Verschlossenheit und Verbohrtheit
unter Hass und Abwehr
wartet das Kind Gottes, das zur Welt kommen will.

 

Es ist da. Denn es gibt kein Leben, das nicht vom Wunder und von der Kraft Gottes berührt ist.

Und sie taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Gold, Weihrauch und Myrrhe ursprünglicher Reichtum und Glanz ... Himmel, der sich öffnet
die Gabe, gut zu tun und zu heilen ...

Das sind die Gaben, mit denen wir Gott und dem Leben dienen können. Vielleicht spüren wir, wie wichtig es ist, dass wir uns nicht mitreißen lassen von den Kämpfen und Kriegen dieser Welt.

Wir haben die Gaben, die zum Frieden helfen schon bei uns.
Sind uns mitgegeben und in uns hineingelegt, so wahr wir Kinder Gottes sind. Wir tragen sie in Händen. Amen.