Corona Rück- und Ausblick 2022

Am 27. Februar 2020 erreichte uns als Gemeinde der erste „Corona-Newsletter“ der EKiR mit Empfehlungen und 

Vorschriften für unser neues „Hygienekonzept der Gemeinde Straelen-Wachtendonk“.

 

Diese Hygienekonzepte begleiteten uns von da an bis heute. Große Herausforderungen kamen auf uns zu: wir mussten möglichst schnell ein hieb- und stichfestes Hygienekonzept als Gemeinde erstellen und vorweisen, dass sich streng an den nunmehr gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen orientierte. Das allein war schon eine Herausforderung, denn die gesetzlichen Regelungen und die darauf aufbauenden Vorschriften der Landeskirche änderten sich mitunter wöchentlich.

 

So mussten wir im weiteren Verlauf die Quadratmeterzahl jedes einzelnen Kirchraumes nachhalten, denn die zugelassene Höchstgrenze an Besuchern und Kirchgängern orientierte sich an der jeweiligen Raumgröße. Zusätzlich gab es abweichende Regelungen und Vorschriften für unterschiedliche „Inzidenzwerte“. Wir mussten in ausreichendem Maße Desinfektionsmittel und medizinische Masken vorhalten, später kamen die Corona-Schnelltests hinzu. Um das Hygienekonzept stets aktuell zu halten waren teilweise tägliche, mindestens aber wöchentliche Studien der gesetzlichen Vorschriften und Corona-Updates erforderlich, um den sachlichen Vorschriften gerecht zu werden. Denn es waren teils für jeden Teilbereich der gemeindlichen Tätigkeiten und Veranstaltungen unterschiedliche Vorschriften zu beachten: der Chor hatte seine eigenen Regelungen, die Kinder- und Jugendarbeit wiederum andere, Konfirmandenunterricht wieder andere, sofern er überhaupt stattfinden durfte, und so fort. So entwickelte sich auch meine Aufgabe als „Hygienebeauftragter der Gemeinde“. Eine schnell reagierende „Stabstelle für Hygieneangelegenheiten“ war geboren. 

 

Das waren die gesetzlichen und sachlichen Herausforderungen. Aber zudem mussten ja auch die jeweiligen Regelungen quer durch die gesamte Gemeinde bis zu dem einzelnen Kirchgänger und Besucher „transportiert“ werden. Das war wieder eine ganz andere Herausforderung, denn jeder Mensch hat seine eigenen Empfindlichkeiten, seine eigenen Vorstellungen von der Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen, jeder sein eigenes Verständnis von „erforderlicher Hygiene“. Bis ins kleinste Detail gab es plötzlich Vorgaben, wie man sich die Hände zu waschen und desinfizieren hatte, ob und wie man Gesangbücher benutzen durfte, ob und wie im Gottesdienst gesungen werden durfte. Zusätzlich hat jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen von Eigenverantwortlichkeit und Freiheit. Bis heute sind wir alle sehr unterschiedlicher Auffassung, aber nichtsdestotrotz mussten allgemeine Regeln von allen beachtet werden. Da kann man schon verstehen, dass bei so Manchem Gefühle wie Freiheitsbeschränkungen und „Strafmaßnahmen“ aufkamen.

 

Und schließlich mussten wir alle als Gemeinde plötzlich mit der Situation klarkommen, dass uns lebenswichtige Rituale und Gewohnheiten schlichtweg verboten waren: kein Gesang in der Kirche, kein Abendmahl, verkürzte Liturgien, zeitweise überhaupt keine Gottesdienste, also keine gemeinsamen (Glaubens-) Gespräche, kein Kirchenkaffee, etc. Unsere gesamten Gewohnheiten der Religionsausübung fielen Corona zum Opfer. Wir wurden zurückgeworfen auf den zweifelhaften „Genuss“ von Fernsehgottesdiensten oder Online-Angeboten. Manchem mag das entgegengekommen sein, eher den „digital orientierten“ Menschen unter uns, anderen „analogen“ Menschentypen, zu denen ich mich auch zähle, wurde, zumindest gefühlt, schlicht die freie Religionsausübung teils komplett „gestrichen“. 

 

Wir haben im Verlauf ein völlig neues und erweitertes „kirchliches Vokabular“ lernen müssen: zum Gottesdienst gehörte Maskenpflicht, feste Sitzplätze, Mindestabstand, Händedesinfektion, verkürzte Liturgie, wenn Abendmahl dann „Intinctio“ (eintauchen der Oblate in den Kelch), Inzidenzwerte, Online-Gottesdienst, Predigtmitschnitt, Besucher-Höchstgrenze, etc. Und wenn es auch zu unserem eigenen und gegenseitigen Schutz im Großen und Ganzen sinnvolle Maßnahmen waren, war es doch auch eine sehr lange und sehr herausfordernde Zeit für uns alle.

 

Seit Anfang April sind fast sämtliche Corona-Vorschriften weggefallen, aber erholt haben wir uns noch lange nicht von diesem Trauma. Wie sieht jetzt der Ausblick aus? Wie geht es weiter mit unserem Gemeindeleben? 

Wir haben uns im Presbyterium entschlossen, einige grundlegende „Basisschutzmaßnahmen“ weiterzuführen, denn Corona ist ja noch lange nicht vom Tisch! Weiterhin gibt es Corona-Infektionen, wenn auch zurzeit mit sogenanntem „milden Verlauf“ und vielleicht kommt im Herbst eine neue Corona-Virusvariante….

 

Wir möchten daher allgemein dafür sensibilisieren, dass weiterhin beim Kirchengesang eine Maske getragen wird. Auch mit Rücksicht auf die, hoffentlich sehr wenigen, sehr vulnerablen Personen. Auch die Chöre werden vorläufig damit leben müssen, dass sich die Chormitglieder, die ja durchweg ohne Maske singen, weiter testen lassen. Alle anderen Maßnahmen sind somit weggefallen. 

 

Wir sollten uns nun vielmehr wieder den positiven Dingen zuwenden und diese bewusst leben! Wir sollten festhalten, dass wir heute auf wesentlich sichereren Beinen stehen. Die ganz überwiegende Mehrheit von uns ist geimpft. Wir dürfen wieder alle zusammen Gottesdienst feiern ohne „Besucherhöchstgrenze“! Es gibt keine „Mindestabstände“ mehr! Wir dürfen wieder Kirchenkaffee, Gemeindefrühstück und andere Zusammenkünfte genießen! Wir dürfen zusammen singen und Abendmahl feiern! Es gibt keine Höchstgrenzen mehr bei den Besucherzahlen, Jugend- und andere Gruppen haben freie Bahn!

 

Wenn wir uns dann noch vor Augen führen, dass wir im internationalen Vergleich zu der Randgruppe von Menschen gehören, die die „Freiheit der Religionsausübung“ wirklich echt genießen dürfen, dass wir uns zu gemeinsamen Glaubensgesprächen zusammensetzen dürfen, ohne mit Anschlägen, Diskriminierungen, Verfolgungen oder Verleumdungen rechnen zu müssen – dann sollten wir von diesem Angebot künftig sehr regen Gebrauch machen! Und für die Menschen beten, für die all dies nicht selbstverständlich ist!   

 

Gert Sachser

(Für das Presbyterium)